Ecstasy (XTC/Extasy, Pillen, Teile, MDMA, MDA, MDEA, MBDB)

Was ist Ecstasy?

  • Ecstasy wird als Sammelbegriff für verschiedene Substanzen mit ähnlicher Wirkung benutzt (MDMA, MDA, MDEA und MBDB).
  • Ecstasy gehört zu den Amphetaminderivaten und wird der Stoffgruppe der Entaktogene zugeordnet. Entaktogene lassen sich anderen Stoffgruppen (Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterAmphetamine, Halluzinogene etc.) nicht eindeutig zuordnen, da sie ein sehr eigenes Wirkspektrum  aufweisen
  • Weitere gängige Namen für Ecstasy sind: Pillen, Teile, Adam (engl. Bezeichnung für MDMA), und Eve (engl. Bezeichnung für MDEA)

Geschichte

  • Der  Ecstasy Wirkstoff 3.4 Methylen-dioxy-N- methylenamphetamin (MDMA) wurde schon im Jahre 1912 von der Arzneimittelfirma Merck   patentiert. MDMA fiel zufällig als Beiprodukt bei der Synthese von Hydrastinin, einer gefäßverengenden Substanz, an und wurde routinemäßig patentiert, aber nicht vermarktet
  • In den 60er und 70er Jahren wurde MDMA vereinzelt in der experimentellen Psychotherapie eingesetzt.
  • Seit Ende der 80er Jahre mit Entstehen der Techno-Szene hat die seit 1986 dem Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster Betäubungsmittelgesetz unterstellte und somit illegale Substanz eine weite Verbreitung als sogenannte Tanz- und Partydroge gefunden.

Konsumform

  • Meistens als Tablette in unterschiedlichsten Formen und Farben, mit - aber auch ohne -  Aufdruck/Prägung. Gleiche Prägung spricht nicht zwangsläufig für gleiche Qualität, da bei "guter" Qualität einer bestimmten Pille Nachdrucke (Plagiate) erstellt werden.
  • seltener als Kapsel/Pulver (hier Gefahr, dass zusätzlich von jedem Zwischenhändler "gestreckt" wird).
  • Tabletten werden oral eingenommen;  Kapseln werden geschluckt oder in Getränken aufgelöst.
  • Dosierung: Aufgrund unterschiedlicher "Qualitäten" ist wie bei allen illegalen Substanzen Vorsicht geboten! Grundsätzlich hängt die Wirkung vom Körpergewicht und der allgemeinen gesundheitlichen Verfassung ab. Auf jeden Fall vorsichtig dosieren und zuerst mit einer minimalen Dosis beginnen (viertel oder halbe Pille).

 

Nachweisbarkeit von Ecstasy

 

  • im Urin ca. 1-4 Tage
  • im Blut ca. 1 Tag
  • in den Haaren noch nach Monaten

Wirkspektrum von Ecstasy

Körperliche Wirkungen

  • Die Rauschwirkung beginnt ca. 20 - 60 Minuten nach Einnahme der Substanz. Die durchschnittliche Rauschdauer der Hauptwirkung beträgt ca. 4-6 Stunden. "Nebeneffekte" wie Appetitlosigkeit, Wachsein und (Tanz)Energie halten länger an. Auch nach dem eigentlichen Rausch sind Fahrtauglichkeit und Konzentrationsfähigkeit häufig noch lange eingeschränkt. Die volle Rauschwirkung von Ecstasy baut sich erst nach ca. 3-6 Wochen Abstinenz erneut auf.
  • Ein leichtes, meistens als angenehm empfundenes Kribbeln beginnt häufig in den Beinen und durchflutet den ganzen Körper.
  • Mundtrockenheit
  • Erweiterung der Pupillen
  • Beschleunigung des Herzschlages


Seelische Wirkungen

Ecstasy bewirkt eine verstärkte Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin, der beim Menschen für die Erzeugung von z.B. Glücksgefühlen, Freude, Hochmut ect. verantwortlich ist.

  • erhöhtes Einfühlungsvermögen
  • sogenannte "herzöffnende Funktion"
  • erhöhte Kommunikationsfähigkeit
  • erhöhte Bewegungs- oder Tanzlust, die häufig bis zur Ekstase führen kann
  • Gefühlsintensivierung
  • Aggressionsminderung, Muskelentspannung, Angstminimierung

Akute Risiken

  • Prinzipiell: keine exakte Kenntnis der  Inhaltsstoffe, unbekannter Wirkstoffgehalt.
  • Übelkeit bei Eintreten der Rauschwirkung.
  • Appetitverlust, in der Regel auch noch am nächsten Tag.
  • Verkrampfung der Kiefermuskulatur auch als "Kieferschieber" bekannt. Dagegen hilft vor allem das Kauen von Kaugummis, damit Deine Zähne nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.
  • Zyklusprobleme: Frauen mit erhöhtem Konsum berichten häufiger von Zyklusproblemen und Zyklusunregelmäßigkeiten.
  • Anstieg der Körpertemperatur (in Extremfällen bis zum Hitzeschlag) vor allem bei langer ekstatischer Tanzbelastung, einhergehend mit zu geringer Flüssigkeitszufuhr.
  • Austrocknung des Körpers aufgrund von Flüssigkeitsverlust durch starkes Schwitzen und zu geringer Flüssigkeitszufuhr (Hunger und Durstgefühl werden durch die Wirkung der Substanz vermindert).
  • Auschaltung des körpereigenen Warnsystems: Ecstasy bewirkt eine Auschaltung/Reduzierung des körpereigenen Warnsystem. Zu nennen sind hier vor allem das Hunger- und Durstgefühl, Wärme/Kälteeinschätzung, Bedürfnis nach Schlaf.
  • bei Kreislaufproblemen, Epilepsie, Bluthochdruck, Diabetes, Leber- und Nierenproblemen sowie bei Schwangerschaft wird dringend vom Konsum abgeraten. Für LeberzirrhosepatientInnen besteht Todesgefahr durch das Mittel Paracetamol, das mehrfach in Ecstasytabletten als Streckmittel gefunden wurde
  • Konzentrationsstörungen
  • Desorientierung
  • innere Unruhe
  • starke Gefühlsschwankung, depressiven Verstimmungen 
  • Hervortreten psychischer Probleme durch aufdecken von verdrängten  Gefühlswelten.

Langfristige Risiken

Bis heute können noch keine eindeutigen Aussagen über Langzeitschäden getroffen werden. Es steht jedoch fest, dass entsprechende Risiken mit dem Umfang und der Häufigkeit des Konsums zunehmen. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass durch Ecstasy Gedächtnisstörungen eintreten können.
Eine im Auftrag des Ministeriums erstellte Studie macht die Partydroge Ecstasy für teilweise dramatische Gehirnschäden verantwortlich. Gedächtnisstörungen und sonstige messbare Leistungsminderungen des Gehirns haben vor allem Dauerkonsumenten zu befürchten.
Am 14. Mai 2003 gab es im Auftrag der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung  der Bundesregierung Frau Marion Caspers-Merk ein Expertentreffen. Als Ergebnis wurde ein Statement zur Bewertung der langfristigen Auswirkungen von Ecstasykonsum erstellt:

Link: Statement zur Bewertung der langfristigen Auswirkungen von Ecstasykonsum

Ecstasy in der Schwangerschaft

Ecstasy-Konsum im ersten Trimenon
Das Deutsche Ärzteblatt berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über eine Studie des Rush Presbyterian St. Luke's Medical Center.
Diese tierexperimentelle Studie wird in der kommenden Ausgabe des Fachmagazins von Neurotoxicity and Teratology veröffentlicht.
Ratten erhielten zwischen dem 14. bis 21. Tag der Schwangerschaft zweimal täglich Injektionen mit MDMA oder Placebo.
Die Konsequenz ist ein starker Anstieg der dopaminhaltigen Nervenfasern um mehr als das Fünffache im Frontalhirn ( Funktion z.B. Planung, Impulskontrolle und Aufmerksamkeit) und eine extreme Innervation im Striatum ( Bewegungen und Belohnung) bzw. im Nucleus accumbens ( Zentrum für die Antwort auf Belohnungsreize). Die Forscher vermuten, dass MDMA die Bildung bestimmter „trophischer“ (also weithin unbekannter) Faktoren im Hirn induziert.
Die Ergebnisse deuten auf eine verstärkte Innervation des ZNS des ungeborenen Lebens hin, die u.a zu Lern- und Aufmerksamkeitsstörungen führen können.
Von Relevanz sind diese Ergebnisse, da viele Frauen nicht sofort nach dem ausbleiben der Menstruation eine Schwangerschaft feststellen und ggf. den Konsum von Partydrogen nicht rechtzeitig einstellen.
Weitere Information zu diesem Thema
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=13722 

Suchtgefahren

Bislang gibt es keine Anzeichen für körperliche Abhängigkeit von MDMA oder ähnlichen Designer-Drogen. Die psychische Abhängigkeit wird jedoch beobachtet. Bei chronischem Missbrauch kommt es zu anhaltenden Persönlichkeitsveränderungen, meist einhergehend mit Depersonalisationsstörungen und langfristig verbleibenden Konzentrationsstörungen. Immer häufiger fallen Personen mit chronischem Missbrauch auf, die aus dem schulischen und beruflichen Bereich herausfallen und einer Behandlung bedürfen.

Mischkonsum

Durch Mischkonsum mit anderen Substanzen steigt das Risiko unkalkulierbarer Rauschzustände. Ebenso erhöht und/oder potenziert sich das Risiko gesundheitlicher Schädigungen.

Wechselwirkungen mit anderen Stoffen:

Wechselwirkungen von HIV-Medikamenten und Ecstasy

  • Proteasehemmer (v.a. Norvir) und NNRTI: können die Blutspiegel von Ecstasy erhöhen und zu einem verstärkten und verlängerten Rauschzustand sowie zu Nebenwirkungen führen
  • Quelle:
    Broschüre: Party, Drugs, HIV;
    Hrsg: Deutsche AIDS Hilfe e.V.
    Broschürenbestellung:  Party, Drugs, HIV

 

Link: Opens external link in new windowWechselwirkung zwischen Drogen und HIV-Medikamenten

Safer-use-Informationen

Risikofreien Konsum gibt es nicht. Wer die teils erheblichen, akuten und langfristigen Risiken in Kauf nimmt, kann sich höchstens mit safer-use-Informationen  vertraut machen. Die folgenden allgemeinen Hinweise dienen dem Ziel der Schadensbegrenzung:

  • Häufiger Konsum verringert die Wirkung.
  • Immer erst "antesten", d.h. immer erst eine viertel oder halbe Pille konsumieren und abwarten, wie stark die Rauschwirkung ist. Nicht sofort "nachlegen", wenn die Wirkung etwas auf sich warten lässt. Der Wirkstoffgehalt von Ecstasypillen ist aktuell (2016) sehr hoch. Pillen mit einem Wirkstoffgehalt von weit über 200 mg sind keine Seltenheit. Eine halbe Pille kann bei hohem Wirkstoffgehalt schon zu viel sein. Das Risiko lässt sich vermeiden, wenn nur eine viertel Pille konsumiert wird.
  • Achte auf rechtzeitige und genügende Flüssigkeitszufuhr in Form von vitaminhaltigen- und/oder mineralhaltigen Getränken. Alkohol entzieht dem Körper zusätzlich Flüssigkeit und schmälert die eigentliche Rauschwirkung von Ecstasy.
  • Mache öfter Tanz- und Erholungspausen im Chill-out oder einem anderen ruhigem Bereich auf der Party
  • Nach dem Konsum keine aktive Teilnahme am Straßenverkehr
  • Gönne Dir nach der Party ausreichend Schlaf und nutze den nächsten Tag als Erholungspause. Viel Schlaf, gesunde und vitaminreiche Nahrung helfen Dir, Dich von den Anstrengungen der vergangenen Nacht zu erholen.


Am wichtigsten: Vorbeugung von Suchtgefahren!


Konsummuster:
wichtig ist der Blick auf die Art und die Häufigkeit des Konsums, auf harte oder weiche Konsummuster:

  • Der Probier- und Gelegenheitskonsum gelten i.d.R. als 'weiches Konsummuster'. Dies trifft auf die überwiegende Mehrheit aller jugendlichen Drogenkonsumenten zu. Der Drogenkonsum hat bei dieser Gruppe keinen zentralen Stellenwert im Alltag erlangt, sondern wird als Freizeitkonsum zu bestimmten Anlässen betrieben. Der Konsum bleibt in den meisten Fällen eine vorübergehende altersbedingte Erscheinung, die später wieder deutlich in den Hintergrund tritt und entweder ganz verschwindet oder auf Gelegenheitskonsum beschränkt bleibt.
  •  Ein 'hartes Konsummuster' liegt vor, wenn die Substanz dauerhaft und gewohnheitsmäßig über einen langen Zeitraum gebraucht wird und fest im Alltag integriert ist. Ein weiteres Merkmal für ein hartes Konsummuster ist ein häufiger zusätzlicher Gebrauch von Alkohol und/oder anderen illegalen Drogen.

 

Die Faustregel - Wenn überhaupt Alkohol- oder Drogenkonsum, dann nur unter günstigen Umständen: wenn es Dir gut geht - und nicht als Problemlösung. Wenn die Umgebung stimmt. Wenn die Leute - von denen mindestens einer nüchtern bleiben sollte - in Ordnung sind.

Abhängigkeitsentwicklung


Bei Ecstasy entwickelt sich keine körperliche Abhängigkeit. Viel gravierender, da schwerer in den Griff zu bekommen, ist die psychische Abhängigkeit. Der Konsum von Ecstasy kann zur Gewohnheit werden, weil die Wirkung als angenehm empfunden wird und viele es gut finden, gemeinsam mit anderen zu konsumieren. Irgendwann merken sie, dass sie damit positive Stimmungen und Gefühle beeinflussen können. Wer dies häufiger macht, verlernt nach und nach, anders mit Gefühlen umzugehen. Ecstasy ist zum ständigen Begleiter, zur Fluchtmöglichkeit, zum scheinbaren Problemlöser geworden, man kann gar nicht mehr ohne ... Spaß haben, ...Leute kennenlernen, ...befriedigende Sexualität erleben usw..

Ein höheres Risiko, abhängig zu werden, besteht auch für sehr junge Menschen, da die Gefahr besteht, dass sie andere Möglichkeiten von Spaß und Freizeitgestaltung gar nicht erst entdecken.

Typische Zeichen für eine psychische Abhängigkeit sind z.B.:

  • regelmäßiger und dauerhafter Konsum
  • sich keine Party ohne Ecstasy vorstellen zu können
  • innerlich unruhig zu werden, wenn es keine Pillen gibt
  • nervös, gereizt und angespannt zu sein, vielleicht auch ängstlich und depressiv zu werden, wenn man mit dem Konsum von Ecstasy aufhört
  • sich zwar vorzunehmen, nicht mehr zu konsumieren bzw. die Menge drastisch zu reduzieren, es aber nicht zu schaffen.



Strafrecht

Ecstasy fällt unter die Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG). Besitz, Handel etc. sind strafbar.

Weitere Infos:  Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterDrogen und Strafrecht.

Ecstasy und Führerschein: Das Führen eines Fahrzeuges unter Einfluss illegaler Drogen ist grundsätzlich verboten. Im Unterschied zu Alkohol gibt es bei illegalen Drogen keine einschränkenden Grenzwerte, sondern ein absolutes Verbot.

weitere Infos: Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterDrogen und Führerschein

Quellen/Literatur

Indro e.V./Schroers A., Ecstasy Broschüre, Münster, Sept. 1998Landesarbeitsgemeinschaft Suchtvorbeugung NRW (Hrsg.), Ecstasy Broschüre, Mülheim/R,1998

  • Felgenhauer/Zilker; Intoxikation mit Amphetaminen und Designer Drogen, in: Internist: 1999, Nr. 40, S. 617-623
  • Neumeyer/Schmidt-Seemisch; Ecstasy - Design für die Seele?, Freiburg im Breisgau, 1997
  • Thomasius, R.; Ecstasy - Wirkungen, Risken, Interventionen, Stuttgart 1999
  • Thomasius, R.; Ecstasy, Stuttgart 2000
  • Treeck, van B.; Partydrogen, Berlin, 1997



Lesezeichen

bookmark in your browserbookmark at mister wongpublish in twitterbookmark at del.icio.usbookmark at digg.combookmark at furl.netbookmark at linksilo.debookmark at reddit.combookmark at spurl.netbookmark at technorati.combookmark at google.combookmark at yahoo.combookmark at facebook.combookmark at stumbleupon.combookmark at propeller.combookmark at newsvine.combookmark at jumptags.com

Partykalender

« Dezember 2016 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
   1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031